Rovinj

In der Vorgeschichte war das Gebiet, auf dem sich Rovinj befindet, sicherlich bewohnt, wovon zahlreiche archäologische Funde zeugen, wie beispielsweise bearbeitete Kieselsteine sowie Gegenstände aus Keramik und Bronze, die von der alten prähistorischen Bevölkerung, wie den Histriern und Venetern getragen wurden. Nur selten stößt man auf Funde aus der Römerzeit, doch gibt es dennoch acht erhalten gebliebene Aufschriften und einige architektonische Überreste, die zeigen, dass Rovinj auch zu jener Zeit bewohnt war, obwohl dies noch nicht der Höhepunkt war. An Bedeutung scheint es zwischen dem Jahr 200 und 400 gewonnen zu haben.
Der erste Kern einer Ansiedlung in Rovinj bildete sich zwischen dem 3. und 5. Jh. n. Chr. durch den Bau einer Festung und des ersten Schutzmauergürtels, der das erste Plateau des Hügel umkreiste, auf dem sich heute die Kirche hl. Euphemia befindet, die durch die Mauer des alten Friedhofes gekennzeichnet ist.

Während des frühen Mittelalters erlebte Rovinj einen kräftigen urbanistischen Aufschwung, und zwar deshalb, weil barbarische Überfälle, die sich noch zwischen dem 5. und 8. Jh. wiederholten, das Leben aus den Feldern außerordentlich gefährlich machten, so dass die Bevölkerung Zuflucht innerhalb der sicheren Stadtmauern auf dem Felsen suchte. Den größten Bevölkerungszufluss erlebte diese kleine Ortschaft, nachdem das nahegelegene Cissa, das anscheinend nach einem Erdbeben im Jahre 754 und 801 im Meer versank, verlassen wurde.

Nach dem Zerfall des Römischen Westreiches ging Rovinj zwischen dem 5. und 7. Jh. aus den gotischen Händen in byzantinische Hände über, wobei sein Territorium gleichzeitig den Langobarden, Awaren und deren Untertanen, den Wenden, wie damals die Slawen genannt wurden, ausgesetzt war. In der Zeit der byzantinischen Herrschaft 539-788, einschließlich der kurzfristigen langobardischen Episode 753-774, hatte die Festung eine eigene Verwaltung mit vom Volk gewählten Magistraten.

Einer Legende zufolge soll im Jahr 800 aus Konstantinopel ein Marmorsarg mit der Leiche der hl. Euphemia, einer Kalzedonischen Märtyrerin gestrandet sein, die ihr Leben zur Verteidigung des Glaubens in der Zeit der Diokletianischen Verfolgung 284 geopfert hatte. Der Sarg wurde in das Innere der Festungsmauern gebracht und in der Nähe der alten St. Georg Kirche aufgebahrt. Seit dem feiern die Bewohner von Rovinj die hl. Euphemia, als die Schutzpatronin der Stadt, neben dem ersten Stadtpatron St. Georg. Die Rovinjer Kirche wurde im Jahr 832 von Bistum Pula getrennt und dem Patriarchat von Aquileja unterworfen. Während des 9. und 10. Jh. wurde Rovinj mehrmals von Seeräubern der Neretva und der Sarazenen überfallen. Um die Seefahrt auf der Adria sicher zu machen, schloss Rovinj wahrscheinlich schon im Jahr 1000 ein Abkommen mit der Republik Venedig, wonach die Seeräuber vom Dogen Peter Orseolo II. vernichtet wurden. Nach mehrmaligen erfolglosen Versuchen eines Aufstandes gegen den venezianischen Dogen, legte Rovinj 1149 gegenüber der Republik Venedig einen Treueschwur ab.

Neben der kirchlichen Herrschaft, nahm Rovinj im Jahr 1209 auch die weltliche Macht der Patriarchen von Aquileja an, die von Otto IV., dem römisch-deutschen Kaiser, in den unmittelbaren Reichsfürstenstand ernannt wurden. Sich zwischen dem Patriarchen von Aquileja und Venedig hindurchschlängelnd, gelang es Rovinj bis zur ersten Hälfte des 13. Jh. eine gewisse Autonomie zu behalten, ähnlich wie die übrigen istrischen Städte. Dies dauerte solange an, bis Venedig, im festen Entschluss, eine unumstrittene Vorherrschaft zu erringen, Rovinj beim Aufstand gegen den Patriarchen unterstützte und sich 1283 die Stadt somit zum Untertanen machte. An die Spitze der Stadt wurde von der Republik ihr Podesta gestellt, so dass die Stadt bis zum Verfall der Republik unter der Flagge von St. Markus stand.

Mit der Zeit wuchs die Stadtbevölkerung so stark an, dass die Stadt eng wurde. Im Laufe des 18. Jh. erweiterte sich die Ansiedlung auf dem Hügel des hl. Franz, über den 1763 aufgeschütteten Kanal, wodurch die Insel mit dem Festland verbunden wurde.

Nach der Kapitulation Venedigs im Jahr 1797 wurde Rovinj von österreichischen Truppen eingenommen, die in die kommunale Struktur eindrangen. 1805 wurde die Stadt jedoch von den Franzosen besiegt, die sie als Kriegsbeute betrachteten und sich demnach verhielten. 1806 wurde das Istrische Kanton gegründet und dem italienischen Kaiserreich zugeführt. Die Bewohner von Rovinj entschlossen sich 1809 zu einem Aufstand, der nach einigen Monaten erstickte. Im Jahr 1815 errang Österreich erneut die Macht über Rovinj.

Ein Jahrhundert später, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurden die Einwohner von Rovinj und aus dem Gebiet Pula in ein Flüchtlingslager bei Leibnitz in die Steiermark deportiert.

Mit dem Londoner Abkommen gehörte Rovinj ab 1918 zum Königreich Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es zu einen Teil Jugoslawiens, wo es bis 1991 auch blieb, also bis zur Ausrufung eines unabhängigen Kroatien.

Sehenswürdigkeiten der Stadt...

Die bestehende Kirche der hl. Euphemia entstand auf dem einst heidnischen Istrien und Fortune gewidmeten Tempel des antiken Roms. Das christliche Bauwerk war ursprünglich dem St. Georg gewidmet, doch ab dem Jahre 800, bei Ankunft des Sarkophags der hl. Euphemia in Rovinj, ist es beiden gewidmet. Heute ist es eine wunderschöne Barockkirche, die über der Altstadt dominiert. Im Jahre 1650 wurde beschlossen, den alten Glockenturm abzureißen und ihn durch einen neuen zu ersetzen, der wie jener, der St. Markus-Kirche in Venedig sei soll. Er ist fast 60 m hoch, und auf seiner Spitze thront die im Jahr 1758 gegossene 4.70 m hohe Bronzestatue der hl. Euphemia, die sich um ihre eigene Achse dreht und mit der rechten Hand die Windrichtung anzeigt.

Torbogen Balbi, eigentlich der Eingang zur Hauptstraße der Altstadt, Grisija, mit dem St. Markus-Löwen aus dem 15. Jahrhundert auf der Frontseite. Auf dem offenen Buch des Evangeliums steht anstelle der gewöhnlichen Redensart "Pax tibi Marce" "Victoria tibi Marce, evangelista meus", einzigartig unter allen bekannten St. Markus-Löwen.

Auf dem großen Marktplatz befindet sich der Turm mit Uhr und dem St. Markus-Löwen. In seiner Geschichte ist er schon mehrmals aufgestockt worden. Im 12. Jahrhundert erbaut, stellte er den Turm an der Südecke der ehemaligen Stadtmauer dar. Unter dem Turm befand sich das Gefängnis für kleinere Vergehen.

Die im Jahr 1388 erbaute St. Thomas-Kirche ist ein sehr interessantes Bauwerk: zum Eingang der kleinen Kirche gelangt man über eine Treppe; teilweise ist sie auf dem gleichnamigen Torbogen aufgebaut, und besitzt auf der Spitze einen kleinen Glockenturm. Sie gehörte dem Franziskanerorden.

Die Heilig-Kreuz-Kirche wurde 1592 im Felsgestein errichtet, mit einem kleinen Glockenturm an der Frontseite und einer Loge. Von hier aus hat man eine herrliche Aussicht auf die Insel St. Katharina. Unterhalb der Kirche befindet sich eine im Jahr 1720 errichtete Steinsäule, die auf die Stelle hinweist, wo nach Übergabe im Jahr 800 der Sarkophag mit den Gebeinen der hl. Euphemia angeschwemmt wurde.

Die Kapelle der Heiligen Dreieinigkeit ist ein einzigartiges romantisches siebeneckiges Bauwerk in neulateinischem Stil aus dem 13. Jahrhundert. Auf einem der Geländer ist die Golgotha durch die Gestalten der Mutter Gottes, der Magdalene, des hl. Peters, des hl. Johannes des Täufers und der hl. Johanna der Evangelisten dargestellt.

Der Bau des wunderbaren Barockgebäudes des Franziskaner Klosters begann im Jahr 1702, und damit im Felsstein die große Kloster-Zisterne gebohrt werden konnte, wurde damals in Rovinj zum ersten Mal Sprenstoff benutzt. Die Klosterbücherei birgt eine Sammlung von über 8.000 wertvollen Büchern, von denen einige aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert echte Raritäten darstellen.

Das Museum der Stadt Rovinj befindet sich im Barockpalast der Rovinjer Famile Califfi, auf dem großen Marktplatz. Neben sehr interessanten und vielfältigen ständigen Ausstellungsstücken, werden während des gesamten Jahres im Museum zeitbegrenzte Einzel- und Gemeinsschaftsausstellungen moderner Künste organisiert. Das Museum beschäftigt sich außerdem mit Archeologie, Geschichte und Ethnographie.

Das Aquarium des Instituts Ruder Boskovic wurde 1891 als "Zoologische Station der Berliner Aquarius" eröffnet und gehört zu den ältesten Einrichtungen dieser Art auf der Welt. Angefüllt mit Mustern heimischer Flora und Fauna, versucht man der typischen Gemeinschaft nahezukommen, die in unserer Unterwasserwelt anzutreffen ist.

Zu dem reichen Erbe gehören insbesondere auch die vielfältige Fauna und wundervolle Flora, die von selbst wachsen (auf der Insel hl. Katharina wurden 456 Arten von Gewächsen angetroffen!), oder die vom Menschen angepflanzten und gepflegten. In diesem Sinne ist Rovinj besonders stolz auf das Goldene Kap, dem ersten unter Naturschutz stehenden Park bzw. Wald in Istrien. Auf fast 70 Hektar erstreckt sich einer der beutendsten Parkeinheiten unseres Küstengebiets, von hohem ästhetischen und botanischen Wert, mit den unterschiedlichsten Arten von schlanken Zypressen, Pinien, Tannen, Zedern, von denen eine Gruppe Zedern vom Himalaja (cedrus deodara) einen besonderen Eindruck hinterlassen.

Das ornithologische Reservat Palud ist ein etwa zehn Kilometer von Rovinj entferntes interessantes Sumpfgebiet. Süß- und Salzwasser sowie die Sumpfvegetation bieten vielen Sumpfbewohnern, den ständig anzutreffenden Vögeln, Zugvögeln, Schildkröten, Aalen, Meeräschen u. a. einen einmaligen Unterschlupf und Ruhestätte.

Seit Jahrhunderten ist Rovinj dem Meer zugewandt. Aus dem Meer schöpft es den Reichtum, die Lebensweise, die Mentalität, die Entwicklung und Zukunft. Diese Stadt hat es verstanden, die Natur zu schützen und die Herausforderung des modernen Tourismus anzunehmen. Die gesamte Küste von Rovinj ist ein geschütztes Naturerbe, so wie die 22 Inseln und Inselchen, die diese Stadt umgeben.

Die hl. Andrea Insel + Vestar, ursprünglich Sera, ist auf alle Fälle die schönste und größte Insel in der Inselwelt von Rovinj. Bereits im 6. Jh. gründete der Bischof Maximilian von Ravenna, von Geburt her aus Veštre bei Rovinj, auf dieser Insel ein Benediktinerkloster. Die St. Andreas-Kirche auf der Insel Sera wurde 1454 den Franziskanern übergeben, die hier bis 1809 lebten, als sie von den Franzosen übernommen wurden. Der österreichische Adlige Johann Georg von Hütterott kaufte diese Insel 1890, erneuerte das Klostergebäude und die Kirche, und ließ auf der Insel etwa 180 Arten verschiedener Pflanzen anbauen.


 


 


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